Frühling & Fernweh

Was das erste Anzeichen für den nahenden Frühling ist? ____________________________________________________

Die Eisbahnen, welche 6 Monate lang in den Regenrinnen der Gebäude regungslos warteten, beginnen ganz langsam mit der Schmelze. Wenn wir auf der Terrasse sitzen, im Hundestall das Stroh wechseln oder vor den Gästeunterkünften den Schnee von den Holzplanken fegen ist es immer da. Dieses kontinuierliche Klopfen, ein langsames, stetes, fast rhytmisches Klatschen, wenn ein schwerer Wassertropfen aus der Regenrinne auf den nassen, in sich zusammen sinkenden Schnee fällt. An sonnigen Tagen, wird aus dem zähen tropfen, ein schnelles Plätschern. Ja die auftauenden Regenrinnen sind der Anfang vom Ende des Winters. Letztes Jahr setzten sie Ende April ein. Ich erinnere mich, wie ich die schwarz-modrigen Reste der Tannennadeln aus den verstopften Rohren zog, damit das Schmelzwasser freie Bahn hatte und sich nach so langer Zeit der Gefangenschaft über die Metallrohre endlich in die Freiheit ergiessen konnte. Dieses Jahr kommt es früher. Wer weiss, vielleicht überrascht uns Ende April ja doch nochmal eine Kälte- und Schneewelle. Aber so sehr er sich auch wehren möge: der Winter muss langsam aber sicher seinem Abschied ins Auge blicken.


Doch noch etwas bricht in diesen Tagen über uns herein, als nur das Tauwetter. Vor einigen Tagen hat die finnische Regierung über einen scharfen Lockdown in Helsinki diskutiert. Dieser würde bedeuten, dass die spärlichen Buchungen, die uns dank der einheimischen Reisenden aus dem Süden Finnlands geblieben sind, ebenfalls ausfallen würden. Nachdem ich diesen Zeitungsartikel im Online-Magazin verdaut hatte, nahm ich einen kräftigen Schluck aus der Kaffeetasse. Seitdem trudeln ganz langsam die Stornierungen für Hüttenbuchungen ein und auch die letzten Schlittenfahrten, die noch bis Mitte April geplant waren, sind abgesagt. Manchmal scheinen die Dinge kein Ende zu nehmen und manchmal sollte ich das Mailfach einfach vor dem ersten Kaffee geschlossen halten. Wobei: wenn wir uns das Tauwetter so ansehen, wären Schlittentouren Ende April sowieso utopisch gewesen. Wenigstens etwas Positives. Denn wenn gegen eine Sache kein Unkraut gewachsen zu sein scheint, dann ist es die Angst. Und in einem Zustand der Angst - ob monetäre Verlust-, Soziale Einschränkungs- oder wirklich bedrohliche Existenzängste - leben wir Alle nun verschärft seit vielen Monaten. Auch wenn es schwer fällt, darf es doch keine Option sein, den Kopf einfach in den Sand (oder den Schnee) zu stecken. Eine Situation auszusitzen hilft eben nur teilweise. Das Einzige was sich der Angst wirklich in den Weg stellen kann ist Mut. Mut daran zu glauben, dass die guten Dinge die uns im Leben passieren, stärker sein werden, als alles Übel. Mut zu wissen, dass die eigenen Handlungen sehr wohl einen Unterschied machen in dieser unüberschaubar gewordenen Welt. Wir haben 27 gesunde, glückliche Hunde. Nun, klingt nicht nach wirklich viel was wir vorweisen können. Aber für diese 27 Hunde bedeutet es ihr ganzes Leben - uns das verbringen sie bis zu ihrem Ende an unserer Seite, als Familienmitglieder. Also, genug gejammert, Ärmel hoch gekrempelt und in die Vorbereitungen gestürzt.

Welche? Zugegeben, es gibt momentan keine Messevorbereitungen, keine großen Verhandlungen mit Reisepartnern, keine Umsetzung der geplanten Bauvorhaben - liegt ja alles still oder einfach finanziell nicht drin. Aber da wären noch Zäune für die Yak - und Wildschwein Gehege zu bauen (die ersten Bewilligungen sind eingegangen) das Grundgerüst für unsere autarke Jurte (ein neues Übernachtungshighlight) aufzustellen, die Samen für das Hochbeet anzuziehen, 6 Kanus sommerfit zu machen, kleine und große Reparaturen zu erledigen, Hunde fleißig auskämmen und das Sammlernetzwerk ausbauen (wir sind aktuell bei einer "Margen-menge" von teilnehmenden Farmen von 850 Hunden). Ja, da steht Einiges an. Und mit dem Wandel des Frühlings, wird es bald still werden im Camp. Markus geht zurück in die Schweiz für 6 Wochen - Arbeiten und Geld verdienen, während Frauchen sich die finnische Frühlingssonne auf den Bauch scheinen lässt und auf der Terrasse sitzend Hundeohren krault.

Gemeinsam mit Markus wird auch Luca die Heimreise antreten bis er dann in der nächsten Winter-Saison zurückkehrt. Einerseits freue ich mich auf die kommende Zeit der nordischen Mitternachts-Sonne, andererseits beneide ich die Jungs um den Luxus, wenigstens für kurze Zeit zurückkehren zu können. Knapp 2 Jahre habe ich Ivalo nicht mehr verlassen. Ich hoffe, bald ein wenig Ostseeluft zu schnuppern und das Licht der Appenzeller Berge wieder zu sehen. Für Alle, die in Sehnsucht an Fernweh schwelgen: lasst uns gemeinsam schwelgen. Bleibt dran, bei Allem was bei uns in der nächsten Zeit passieren wird. Werft, wenn ihr mögt, einen Blick auf Facebook & Instagram (@nomadicnaali), um auch einige Fotos zu diesen Worten zu sehen. Bis es soweit ist und wir alle wieder reisen können warten wir gespannt der Dinge, die da noch kommen. Und für alle die mehr optische Anreize, als müde Worte wünschen: geniesst die nachfolgende, kurze Bilder Zusammenfassung der letzten Zeit. Bis ganz bald - Hoffentlich im Camp. Danke für eure Treue! Josi, Markus & 27 Hunde.